Mittwoch, 6. Februar 2013

12 / 1978 ADAM - German Gay Magazine


Der Neustart beginnt gleich mit einer Schummelei: Die letzte, siebente unter uns Ausgabe erschien als Heft 7/8 (Juli/August) 1977. Die erste Ausgabe in der Bild + Druck GmbH, Frankfurt/Main, erscheint nun als zwölfte unter uns Ausgabe im April 1978.

Die unter uns Nummern 8, 9, 10 und 11 sind nie erschienen!

Die Titelzeilen - for Gays - SEX Rituale - Fotos aus den USA - Tolle Neger - Viele Kontaktanzeigen - NEU - lassen den neuen Herausgeber erahnen. Sie sind typisch nichtssagend und inhaltslos, wie bei allen anderen schwulen Publikationen des Günter Goebel (Pseudonym in ADAM Georges Günter ... in DON Guy Gilbert usw.). In diesem Sinne wird das Heft auch 'gefüllt':

Es umfasst jetzt 64 Seiten im Format DIN A4 und kostet 8,50 DM.
Exakt 3/4 des Heftes setzen sich zusammen aus:
Fotos (38 Seiten),
Kontaktanzeigen (6 Seiten, in einer Neuerscheinung!)
und kommerzieller Werbung (3,8 Seiten).

Das restliche Viertel sind schwule Geschichten; ausgenommen der unten abgebildete Schlegel-Beitrag.


Autoren:
Dr. Willhart Siegmar Schlegel (mehr über ihn bei DON 9/1972 = Link), Pat Bone (frei erfunden. Es handelt sich jedenfalls NICHT um den US-Sänger Pat Boone  mit Love Letters In The Sand, Speedy Gonzales...), Heinz B. Baer (= Johannes Werres) und Heinz S.F. Liehr (= Echt-Name, Lebenspartner von Johannes Werres).

Layout: Hans Möstl (hier mit seinem Echt-Namen) (Details DON 5/1975)

Verlag und Copyright:
Hier ist ziemliche Verwirrung angesagt - oder gar beabsichtigt? Denn der Buch- und Presse-Vertrieb Rheinfelden war nie etwas anderes als ein Zeitschriftenvertrieb/grossist, während sich der tatsächliche Verlag hinter der „Redaktionsadresse“ - Bild + Druck GmbH, Frankfurt/Main ** und der eigentliche Herausgeber hinter „Presserechtlich verantwortlich“ Georges Günter ( Pseudonym von Günter Goebel, der den unter uns Titel aufgekauft hatte) verstecken.

** Die Bild + Druck GmbH war - wie bifipress AG, Pressag AG u.a. ... mit Sitzen in Frankfurt, Straßburg/Frankreich, Vaduz/Liechtenstein, München ... - eine von vielen kleinen Firmenkonstruktionen des Günter Goebel.


Möglichst platt, möglichst nichtssagend, möglichst infantile Schreibe und sich selbst bejubelnd:

„Liebe Freunde, dies also ist das neue ‘Unter uns’! Der alte Name in neuem Gewand und mit neuem Inhalt. Unter uns soll eine für Sie alle anziehende Zeitschrift sein. Wir werden vielseitige Aufsätze, Berichte und sprühendes Erleben von hervorragenden Sachkennern und namhaften Erzählern bringen. Als wissenschaftlichen Berater haben wir mit Dr. Willhart Siegmar Schlegel (mehr über ihn bei DON 9/1972 = Link) [der das aber ganz schnell wieder wird dementieren lassen] einen führenden Fachmann gewonnnen. Und für das neue ‘Unter uns’ sind internationale Fotografen als Mitarbeiter gewonnen worden. Wir wünschen Ihnen Anregung (!!!) und gute Unterhaltung beim Lesen. Ihr Redaktionsteam“


Die linke Seite ist mit jenen kommerziellen Anzeigen bestückt, die regelmäßig auch in allen anderen "Goebelschen" Publikationen erschienen/erscheinen.

Bei allen rot angekreuzten Angeboten der rechte Anzeige des 1975 von Kurt-Joachim Foerster (Details in DON 6/1976) gegründeten Förster-Versand handelt es sich um pornografische Magazine, deren Bewerbung in Objekten - die wie unter uns auch Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich waren - gesetzlich verboten war (und auch 2014 noch verboten ist).


Die unvollendete Reform. Mehr zu dem Autor Dr. Willhart Siegmar Schlegel (mehr über ihn bei DON 9/1972 = Link) (befreundet mit den Herren Werres und Liehr sowie Arbeitgeber des ersteren), der hier in unter uns als „wissenschaftlicher Berater“ angepriesen wird, erfährt man bei DON 9/1972 **

**  Verhaltensforscher Dr. med. W. S. Schlegel, dessen Beiträge ich erst bei meiner späteren Redaktionsübernahme ganz aus DON verbannen konnte, propagierte "...gegenüber Homosexualität und Päderastie Duldsamkeit ..." und beschäftigte sich schwerpunktmässig mit dem Zusammenhang von "Körperbautyp", Sexualität und speziell "homosexuellem Erleben". Die Zusammenhänge von "Körperbautypen", Kopfform und Rasse waren bekanntlich während der NS-Zeit eine "besonders beliebtes" Forschungsfeld.  Eine kleine Vorstellung von Schlegels Gedankenwelt gibt ein Artikel, der am 3.4.1964 in DIE ZEIT erschien - "Gesetz und Gesellschaft ächten sie" - und auch heute noch abrufbar ist.



Ein weiterer damals üblicher Trick neu auf dem Markt erscheinender Homo-Magazine war, dass bereits in der ersten Nummer haufenweis (aus anderen Magazinen zusammengesuchte) mehr oder weniger echte Kontaktanzeigen (= verkaufsförderndes Instrument) veröffentlicht wurden. In diesem Fall komplette sechs Seiten, durchsetzt mit Portraitfotos von Fotomodellen, die den Anschein machten, als bezögen sie sich auf die jeweiligen Anzeigentexte.

Unten rechts eine Anzeige des Rico-Versand. Rico-Versand = Geschichten-Autor Rico de Positano = Echtname Heinz S. F. Liehr, wohnhaft in Kronberg/Taunus.


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