Null Selbstbewusstsein, keinen Stil, keinen Inhalt, null Verleger- und Geschäftserfahrung: Die ersten beiden Ausgaben nannte ich ‚Typ Vereinsblatt‘. Charateristisch dafür ist dieses wehleidigee Vorwort im Stil eines Schulaufsatzes.
„Wieder liegt Ihnen
eine neue Ausgabe ‚unter uns‘ vor, von der wir alle, die wir an der Herstellung
beteiligt sind, hoffen, dass sie Ihnen und auch Ihren Freunden gefällt. Darum
unsere herzliche und sehr wichtige Bitte: schreiben Sie uns nicht nur einen
zustimmenden Leserbrief, obwohl die Vielzahl einen ungeheuren Auftrieb gibt,
sprechen Sie auch mit Ihren Freunden über ‚unter uns‘, empfehlen Sie uns
weiter. Im Gegensatz zu einigen alteingeführten Zeitschriften [hier
ist die Konkurrenz gemeint, die gerade einmal ein bis eineinhalb Jahre auf dem Markt ist], die von finanzstarken Verlegern
herausgegeben werden – womit hier kein Urteil über möglichen redaktionellen
Einfluss dieser Verleger abgegeben werden soll - - haben wir keine
Rückenstärkung dieser Art und sind auf Ihre ‚Mundpropaganda‘ angewiesen. Jeder,
der uns einen Leserbrief schreibt, im Monat zur Zeit durchschnittlich 300 [schamlos gelogen], sollte 3 – 5 Bekannte
ansprechen. An der Bar, beim Besuch, in der City … unser
Antinoos-Zeitschriftenverlag wird nur von freiem Mitarbeitern betrieben … keine
hauptamtlich tätigen Angestellte … Und so wollen wir es auch bewusst lassen,
damit wir auch in Zukunft unserer Aufgabe und unser Überzeugung gerecht werden
können …“
Apropos Aufgabe und Überzeugung: Die nächste Ausgabe 7/8
enthält von 40 DIN-A5-Seiten 27 Fotoseiten plus Kontaktanzeigenseiten und ist quasi ‚textfrei‘. Und mit der Ausgabe 9/10 wird diese Publikation - für 5 Jahre! - ‚auf Eis gelegt‘.
Zwischen den Ausgaben 2 (März) und 5/6 (Mai/Juni) fehlt
keine Ausgabe. Man beginnt nämlich die ursprünglich herausgestellte Heftnummer in die Nummern der Monate zu umzuwandeln.
Unter Text- und Fotobeiträge erscheint hier im Impressum
erstmals (Johannes) Werres.
Claus H. Weber (? - erscheint nicht im Impressum) "berichtet aus Bonn" … über die bevorstehende Senkung des Jugendschutzalters von 21 auf 18 Jahre und die damit verbundene „zwangsläufige Abänderung im bisherigen Strafbereich des §§ 175 inklusive dem für Homosexuelle interessanten Tipp „… Dass etwa, wie im Lande des Vatikans, in Italien, die Jugendschutzgrenze auf 14 festgesetzt würde, ist nicht denkbar…“
Anschliessend geht es um die ebenfalls anstehende Reform des Strafrechts im Justizvollzug, ein Thema ohne jeden Bezug zu Leben und Interessen von Schwulen.
Es inserieren
Olympia Press, Frankfurt (die diese ganzen geilen Bücher
verlegt haben), hier die pädophil-pornografische ‚Knabenschule‘, 183 Seiten, 18 DM, „Ich versichere, das 21. Lebensjahr
vollendet zu haben“
Mike Iversen (= Pornographie), Dänemark, „Schreiben Sie genau, was Sie wollen: Fotos, Dias, Farbmagazine oder
Filme von Knaben, junge Burschen, Männer, Leder-Männer …“
Und die Partnervermittlung Narziss [ist das nicht irre, eine Partnervermittlung ausgerechnet Narziss zu nennen?] in Köln, „Einsam – Allein?“
Der Marokko „Tip für Abenteurer“ dürfte aus einem Erdkundebuch oder einem Infoblatt für Neckermann-Reisende abgeschrieben worden sein. Für den schwulen Leser taucht immerhin der hilfreiche Satz „ … Sie werden auf Schritt und Tritt von interessierten Boys beobachtet. Ein Blick von Ihnen und Sie werden nicht nur beobachtet …“ auf. Plus der Faksimile-Abdruck eines Artikels vom 8. November (1971? Oder noch früher?) aus einer marokkanischen Zeitung: „… Von 37 Prozessen führten alleine 5 in dieser Periode zu Verurteilungen aufgrund der ‚Acte contre natur‘, wegen homosexuellen Handlungen … „ Und eine kuriose Adressen-Liste. Wo wurde die wohl abgeschrieben?
Es handelt sich um das gleiche Phänomen, wie ich es auch schon in den Anfangsjahren von DON diagnostizierte. Die Seiten müssen zwangsweise (zwanghaft?) „gefüllt“ werden und – für die Zielgruppe – werden dann zwischen die irgendwo abgeschriebenen Texte ein paar schwule Satzhappen eingebaut.
In der nächsten Ausgabe möchte ‚unter uns‘ über das schöne (schwule)
Österreich berichten, hat selber davon aber keinen blassen Schimmer: „Achtung: Wer kennt Österreich, wer wohnt in
Österreich, wer fährt demnächst nach Österreich in Urlaub … Wer hilft uns bei
der … Nachforschungs- und Kontrollarbeit? … „
In der linken Spalte kritisiert GI (?) den STERN, weil er sich nicht mit homosexuellen Aspekten (im König-Ludwig-Film) und homosexuellen Themen (homophile Studentengruppen, die linke Homo-Bewegung der USA, holländische Aktivitäten des COC usw. usw.) beschäftigt.
Rechts entfaltet ‚unter uns‘ homopolitische Aktivitäten: „Auflösung der Erfassungskarteien für nicht straffällig gewordene Homosexuelle.“ Schriftleiter [der Begriff Schriftleiung/ter war übrigens in der Nazi-Zeit gebräuchlich] Horst Beermann schreibt einen (vielfach fehlerhaften) Brief an einen (namenlosen) Innenminister von Nordrhein-Westfalen, der offensichtlich auch keine Adresse hat. Der Brief und seine Fragen (ohne Fragezeichen) entspricht thematisch einem Schreiben der Aktionsgruppe Homosexualität (Münster).
Anmerkung: In ca. 3 Monaten, am 28. September 1969, wird die Bundestagswahl stattfinden.
„Im nächsten Heft: Briefe an den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Rainer Barzel und an Bundesminister für Familie und Jugend a.D. Frau Aenne Brauksiepe (CDU) stellen Fragen nach den möglichen Folgen für uns Homophile im Falle einer Neuwahl und Sieg der CDU bzw. eines für die Opposition erfolgreichen Wahlkampfes 1973. Welche Meinung hat Strauß und wie wird diese durch die jetzigen Oppositionsführer übernommen? Wird der Paragraph 175 wieder in neo-faschistischer Form verschärft? Man spricht vom ‚Judenproblem‘ und verurteilt die Kriegsverbrecher. Wer aber spricht noch über die Ausrottung der homosexuellen Minderheit … „
„Im nächsten Heft: Briefe an den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Rainer Barzel und an Bundesminister für Familie und Jugend a.D. Frau Aenne Brauksiepe (CDU) stellen Fragen nach den möglichen Folgen für uns Homophile im Falle einer Neuwahl und Sieg der CDU bzw. eines für die Opposition erfolgreichen Wahlkampfes 1973. Welche Meinung hat Strauß und wie wird diese durch die jetzigen Oppositionsführer übernommen? Wird der Paragraph 175 wieder in neo-faschistischer Form verschärft? Man spricht vom ‚Judenproblem‘ und verurteilt die Kriegsverbrecher. Wer aber spricht noch über die Ausrottung der homosexuellen Minderheit … „
Bundeswehr Soldaten-Sex - "Tatsachen-Rückblick, erzählt von GPG" (GPG steht als Autor im
Impressum). Tatsächliche, erträumte oder erfundene, jedenfalls sexuell außerordentlich
verklemmte, absolut unerotische Bundeswehrgeschichtchen.
Reklame für
„In Köln trifft man
sich im Carrousel mit der gemütlichen Atmosphäre des alteingeführten Clubs für
alle Jahrgänge“
Hermes, Berlin, Partnerwahl International … „Wir vermitteln Bekanntschaften nach Ihren
Wünschen … nach … Übersee … alle Angebote mit Photo und ausführlichen Details …“
„Wenn Sie Köln
besuchen: Bar Monte Christo … unter gleicher Leitung im Hause Hotel Germania …“
Inhaber beider Etablissements ist Erwin Röll ...
… der im Impressum dieses Magazins als Geschäftsführer der Antinoos-Zeitschriftenverlag GmbH steht.
… der im Impressum dieses Magazins als Geschäftsführer der Antinoos-Zeitschriftenverlag GmbH steht.
Roberto-Versand, Berlin, „Spezialversandhaus
für homophile Artikel … Magazine, Fotoserien, Filme, Individualservice (!!!) u.a. "
Rechts, unter dem deutlich angedickten Glied-Foto steht ein (begeisterter) Reklame-Bericht über MEN TOURS International - LADIES TOURS
International … „Zwei große Namen, die
viel versprechen. Der erste Reisedienst für IHN und SIE … „ der in der Öffentlichkeit
jedoch unter INTERTOURS Reise und Sport GmbH & Co KG (Köln) firmiert.
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